18.02.2026

pajtim statovci: bolla

arsim ist albaner, verheiratet und wird gerade zum ersten mal vater, miloš ist serbe, der in pristina medizin studiert. als arsim miloš zum ersten mal sieht, folgt er ihm von seiner erscheinung fasziniert und setzt sich im café zu ihm. schnell ist alles klar, die faszination ist gegenseitig: die beiden werden ein paar. eine schwierige konstellation in dieser konservativen gesellschaft, die zudem mit den ressentiments zwischen den volksgruppen belastet ist. so verbringen sie 1995 – verborgen vor der oeffentlichkeit – eine intensive gemeinsame zeit. wegen des aufkommenden balkankriegs verlässt arsims familie das land, für die beiden männer bedeutet dies eine trennung. der zurückgelassene miloš findet sich in der serbischen armee wieder, wo er die grauen des krieges erleben muss. zehn jahre später kehrt arsim nach pristina zurück und erfährt, dass miloš in einer psychiatrischen klinik ist. er fährt hin, um ihn dort herauszuholen, in der hoffnung, alles werde wieder wie es einmal war. aber miloš ist durch seine schrecklichen kriegserlebnisse nur noch ein schatten seiner selbst, eine gebrochene und zerstörte existenz.
das buch ist von beeindruckender emotionalität. im zentrum der handlung stehen zwei besondere protagonisten mit ihrer liebe, ihren hoffnungen, aber auch mit ihren zweifeln, ihrem scheitern und zerbrechen. eindringlich zeigt die traurige geschichte auf, was die grauen des krieges mit menschen macht. wünsche und träume werden zerstört, nichts bleibt wie es ist, zu nichts kann wieder zurückgekehrt werden. dagegen steht die sorgfältige subtile schilderung der liebe und des verlangens der beiden. einen besonderen zugang zu den gedanken und gefühlen der beiden männer erlaubt die jeweils wechselnde persönliche perspektive. das offene ende des romans macht betroffen und lässt irgendwie wenig hoffnung aufkommen. noch tage danach beschäftigt mich diese geschichte.  

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