die
anwältin sophie und der banker arpad machen vordergründig den
eindruck eines glücklichen, erfolgreichen paares, das in einer villa
in einem nobelvorort von genf lebt. sie freunden sich mit greg und
karine, einem anderen ehepaar im ort an. greg – der seinen beruf
nicht offenlegen darf, weil er teil einer polizeilichen sondereinheit
ist – verfällt dem charme und der erscheinung von sophie. doch
diese hat ein geheimnis, über das sie mit niemandem – selbst mit
ihrem mann nicht – sprechen kann. ihre vergangenheit liegt ebenso
im dunkeln, wie der grund ihres beachtlichen vermögens. aber auch
arpad hat eine unklare vergangenheit. und was haben die beiden mit
einem ueberfall auf einen juweliergeschäft zu tun?
das
buch beginnt mit einer kurzen beschreibung des ueberfalls. danach
läuft die geschichte geschickt über die letzten zwanzig tage auf
dieses ereignis zu. die teils abenteuerlichen handlungen und
schwierigen beziehungen wirken nie unrealistisch. emotionen, krisen,
dramatische momente, leidenschaft und neid sind die zutaten zu diesem komplexen, aber übersichtlich konstruierten krimi, der einen auf
einzigartige weise in den bann zieht. die eher karge beschreibung der
personen lässt einen sich mehr auf deren gedanken und agieren
konzentrieren. ohne dass es an sprachlicher qualität mangelte, ist
der krimi ein pageturner erster güte.
08.01.2026
joël dicker: ein ungezähmtes tier
05.01.2026
nelio biedermann: lázár
zu beginn des 20. jahrhunderts wird
lajos geboren. das kind ist seinem vater, dem baron sándor lázár,
irgendwie unheimlich: er wird nie einen wirklichen zugang zu ihm
finden. der erste weltkrieg mit dem untergang der donaumonarchie hat
für die ungarische adelsfamilie folgen. traditionen verschwinden
und die sich anbahnende veränderung der machtverhältnisse bringen
unsicherheit ins haus. in
dieser schwierigen zeit tritt
lajos als junger erwachsener das erbe an und
schafft es zunächst auch, den
glanz der früheren zeit wieder ein
wenig aufleben zu lassen. doch
mit der besatzung der deutschen wehrmacht im zweiten weltkrieg sieht
sich lajos herausforderungen gegenüber, die ihn zum mittäter bei
der verfolgung der juden machen. pista und eva, seine kinder, erleben
als nächste generation die zeit des kommunismus, der ihnen
enteignung, armut und unterdrückung bringt. nach dem ungarnaufstand
1956 sind sie noch mehr der gefahr ausgesetzt, verhaftet zu werden.
sie entscheiden sich, das land zu verlassen.
ein spannendes und ergreifendes buch,
das einen beim lesen aus einer ganz besonderen perspektive in ein
stück weltgeschichte tauchen lässt. die zu beginn eher etwas
träumende sprache mit teils überlangen sätzen verändert sich
beinahe unbemerkt parallel zum zeitlauf in eine immer modernere,
kargere form und bringt damit dem text eine andere dynamik. der roman
vermittelt damit oft etwas exemplarisches. lázár gehört zu den
büchern, bei denen man gegen schluss immer langsamer liest, weil man
das ende noch etwa herauszögern will.