05.01.2026

nelio biedermann: lázár

zu beginn des 20. jahrhunderts wird lajos geboren. das kind ist seinem vater, dem baron sándor lázár, irgendwie unheimlich: er wird nie einen wirklichen zugang zu ihm finden. der erste weltkrieg mit dem untergang der donaumonarchie hat für die ungarische adelsfamilie folgen. traditionen verschwinden und die sich anbahnende veränderung der machtverhältnisse bringen unsicherheit ins haus. in dieser schwierigen zeit tritt lajos als junger erwachsener das erbe an und schafft es zunächst auch, den glanz der früheren zeit wieder ein wenig aufleben zu lassen. doch mit der besatzung der deutschen wehrmacht im zweiten weltkrieg sieht sich lajos herausforderungen gegenüber, die ihn zum mittäter bei der verfolgung der juden machen. pista und eva, seine kinder, erleben als nächste generation die zeit des kommunismus, der ihnen enteignung, armut und unterdrückung bringt. nach dem ungarnaufstand 1956 sind sie noch mehr der gefahr ausgesetzt, verhaftet zu werden. sie entscheiden sich, das land zu verlassen.
ein spannendes und ergreifendes buch, das einen beim lesen aus einer ganz besonderen perspektive in ein stück weltgeschichte tauchen lässt. die zu beginn eher etwas träumende sprache mit teils überlangen sätzen verändert sich beinahe unbemerkt parallel zum zeitlauf in eine immer modernere, kargere form und bringt damit dem text eine andere dynamik. der roman vermittelt damit oft etwas exemplarisches. lázár gehört zu den büchern, bei denen man gegen schluss immer langsamer liest, weil man das ende noch etwa herauszögern will.

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