als
durch den autoritären staat verfolgter erlebt josef roubiček auf
sich allein gestellt eine schwierige zeit. die rechte der
ausgegrenzten werden immer mehr beschnitten und zunehmend werden sie
zum abtransport in den osten aufgeboten. auch roubiček erwartet den
befehl, sich bei der sammelstelle einfinden zu müssen. er träumt
immer wieder von seiner freundin růžena, die nicht mehr hier ist.
ab einem bestimmten tag werden die geächteten durch das tragen eines
sternes auch äusserlich erkennbar gemacht. immer weniger ist ihnen
erlaubt, täglich erfolgen neue bekanntmachungen, die die
bewegungsfreiheit weiter einschränken. als freunde ihm anbieten, ihn
zu verstecken, tut sich eine weite und komplizierte ethische frage
auf. denn wenn er nicht zum transport antritt, wird jemand anders an
seiner stelle gehen müssen. und wenn er entdeckt wird, wartet nicht
nur auf ihn die todesstrafe sondern auch auf seine beschützer.
ohne
sie zu nennen beschreibt der roman das schicksal der juden unter den
nationalsozialisten. roubiček steht stellvertretend für die vielen
verfolgten und entrechteten, deren gedankengänge, aengste und
zweifel, aber auch deren mut und hoffnung. als jemand, der kaum etwas
besitzt, erlebt der hauptprotagonist eine gewisse freiheit, weil ihm
kaum etwas genommen werden kann. sein verantwortungsbewusstsein
anderen gegenüber und seine philosophischen gedankengänge sind
zentrale momente dieses buches. deutlich werden die absurden
staatlichen massnahmen karikiert und damit aufgezeigt, dass es immer
wieder möglich wird, grundlos menschen aufgrund ihrer zugehörigkeit zu einer
gruppe auszugrenzen. die persönliche perspektive eines einzelnen
verschafft dem text trotz des schweren themas eine angenehme ruhe.
das 1949 erschienene werk hat nichts an aktualität verloren.
28.02.2026
jiři weil: leben mit dem stern
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