28.02.2026

jiři weil: leben mit dem stern

als durch den autoritären staat verfolgter erlebt josef roubiček auf sich allein gestellt eine schwierige zeit. die rechte der ausgegrenzten werden immer mehr beschnitten und zunehmend werden sie zum abtransport in den osten aufgeboten. auch roubiček erwartet den befehl, sich bei der sammelstelle einfinden zu müssen. er träumt immer wieder von seiner freundin růžena, die nicht mehr hier ist. ab einem bestimmten tag werden die geächteten durch das tragen eines sternes auch äusserlich erkennbar gemacht. immer weniger ist ihnen erlaubt, täglich erfolgen neue bekanntmachungen, die die bewegungsfreiheit weiter einschränken. als freunde ihm anbieten, ihn zu verstecken, tut sich eine weite und komplizierte ethische frage auf. denn wenn er nicht zum transport antritt, wird jemand anders an seiner stelle gehen müssen. und wenn er entdeckt wird, wartet nicht nur auf ihn die todesstrafe sondern auch auf seine beschützer.
ohne sie zu nennen beschreibt der roman das schicksal der juden unter den nationalsozialisten. roubiček steht stellvertretend für die vielen verfolgten und entrechteten, deren gedankengänge, aengste und zweifel, aber auch deren mut und hoffnung. als jemand, der kaum etwas besitzt, erlebt der hauptprotagonist eine gewisse freiheit, weil ihm kaum etwas genommen werden kann. sein verantwortungsbewusstsein anderen gegenüber und seine philosophischen gedankengänge sind zentrale momente dieses buches. deutlich werden die absurden staatlichen massnahmen karikiert und damit aufgezeigt, dass es immer wieder möglich wird, grundlos menschen aufgrund ihrer zugehörigkeit zu einer gruppe auszugrenzen. die persönliche perspektive eines einzelnen verschafft dem text trotz des schweren themas eine angenehme ruhe. das 1949 erschienene werk hat nichts an aktualität verloren.

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