12.03.2026

jon fosse: vaim

jatgeir, ein schüchterner mann, lebt zurückgezogen in seinem haus in vaim. er hat kaum freunde, den einzigen kontakt pflegt er zu seinem nachbarn elias. seinem boot gibt er den namen «eline» in erinnerung an seine mitschülerin, in die er verliebt war, sich aber nie zu erklären wagte. als eline das dorf verlassen hat hört man, sie habe auswärts geheiratet. nach einem einkauf im benachbarten ort bjørgvin steigt jatgeir in sein schiff. da steht eline am landungssteg. sie hat eben ihren mann frank verlassen und will mit jatgeir nach vaim zurückfahren. dort zieht sie bei ihm ein und dominiert von da an dessen haushalt. der bisherige kontakt jatgeirs zu elias kommt zum erliegen. als eline stirbt, bleibt jatgeir alleine zurück. sein wunsch, dereinst neben eline begraben zu werden, bleibt unerfüllt; vorher stirbt elias und wird im nachbargrab beigesetzt.
macht, unterwerfung und abhängigkeit sind die zentralen themen dieses buches. auf eine sehr subtile weise werden hier machtmechanismen in beziehungen beschrieben. eline, die selbstbewusste, dominante frau nimmt sich, was sie will, nistet sich bei den männern ein und beginnt über sie zu verfügen. das alles funktioniert nur, weil die männer dies auch zulassen. in den drei grossen kapiteln beschreiben jatgeir, elias und frank aus ihrer sicht elines verhalten und die daraus resultierende psychische gewalt. der text – eigenartig verfasst, mit vielen wiederholungen, ohne wirkliche satzgefüge – liest sich nicht ganz einfach, lässt jedoch eine ganz besondere stimmung aufkommen.

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