24.03.2026

ocean vuong: der kaiser der freude

als sich der erst 19-jährige hai von einer brücke in den tod stürzen will, hält ihn eine stimme auf. diese gehört der unten am fluss wohnenden witwe grazina. sie lädt ihn zu sich ein und gibt ihm ein dach über dem kopf. zwischen dem sohn einer aus vietnam eingewanderten, alleinerziehenden mutter und der alten aus litauen im zweiten weltkrieg nach amerika geflüchteten frau entsteht eine wundervolle freundschaft. er sorgt sich um ihr wohlergehen, wird damit quasi ihr pfleger und findet so eine aufgabe. im fast-food-restaurant wo hai zu arbeiten beginnt, herrschen prekäre arbeitsbedingungen, die nur zu ertragen sind dank einem team, das zusammenhält und sich gegenseitig hilft. doch zwei ereignisse bringen die aufkommende ordnung in hais leben durcheinander. am arbeitsplatz muss eine stelle gestrichen werden und zuhause interveniert der sohn grazinas, der auf den eintritt seiner mutter in ein pflegeheim besteht.
von diesem vielschichtigen, emotional starken roman mit vielen gut integrierten nebenhandlungen geht eine fesselnde faszination aus. das solidarische handeln am arbeitsplatz und die liebevolle beziehung zwischen dem zerbrechlichen jungen und der leicht dementen alten frau bestechen durch deren authentische beschreibung. ebenso treffend lenken die bildhaften schilderungen des lebens in dieser armen und abgehängten stadt in connecticut den blick auf ein amerika jenseits der hochglänzenden orte. dazu kommen die vielen unterschiedlichen figuren, deren leben schwierig ist, die zutiefst menschlich füreinander da sind und immer etwas hoffnung haben. spannend, tiefgründig und unterhaltsam ist diese wunderbare geschichte, die auf einem autobiografischen hintergrund fusst.

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