17.05.2026

aline valangin: das dorf an der grenze

unmittelbar an der grenze zu italien liegt der ort der handlung. als der krieg ausbricht, erscheinen die ersten flüchtlinge, denen sich die dorfbevölkerung entgegen der vorgaben der regierung annimmt. auf dem ausserhalb des dorfes liegenden hof bargada lebt die unverheiratete zoe mit tochter und mutter. ein frauenhaushalt, der unter kritischer beobachtung der leute im dorf steht. hier finden die immer mehr auftauchenden schmuggler unterschlupf, hier wird vor allem reis, ihr wichtigstes gut weiterverkauft. gegen ende des krieges kommen immer mehr menschen über die grenze, die die solidarität und das zusammenleben im dorf auf eine harte probe stellen.
der roman zeigt wie die solidarität einer dorfgemeinschaft nicht nur durch äussere umstände, sondern auch durch eigene moralvorstellungen belastet wird. in einer zeit, in der viele männer wegen des krieges in der armee sind, verändert sich die rolle der frauen. treffend und fesselnd bearbeitet sind beziehungen, liebschaften und unerfüllte erwartungen, wie auch der frauenemanzipatorische aspekt. ich hätte mir etwas mehr detaillierte beschreibungen zu den einzelnen menschen gewünscht, unter denen sich einige originale vermuten lassen. der recht spannende text bleibt trotz einer komplexen und vielfältigen handlung dank der klaren und direkten erzählung gut lesbar. ein kleines, aber exemplarisches stück schweizergeschichte, das heute unter veränderten umständen weiterhin aktuell ist, wird uns hier nahegebracht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen