01.05.2026

dacia maraini: ein halber löffel reis

im zweiten weltkrieg steht japan durch einen pakt verbunden gemeinsam mit italien auf der seite des deutschen reiches. dacias familie lebt in tokio, ihre eltern weigern sich – wie von den japanischen behörden verlangt – mussolinis repubblica da salò anzuerkennen. wie weitere mitglieder der kleinen italienischen gemeinde wird die ganze familie in ein lager interniert, in dem unsägliche hygienische zustände, willkür, vor allem aber hunger herrschen. die damals siebenjährige erlebt harte kindheitsjahre, aber auch die befreiung und die zeit unmittelbar nach kriegsende.
trotz der erniedrigenden erlebnisse berichtet die autorin eindrücklich, gleichzeitig emotional und sachlich über ihre schwerste zeit. bedrückend ist nicht nur die detaillierte beschreibung der persönlichen not, sondern auch die grausamkeit der sie bewachenden männer. aus der sicht eines kindes versteht sie damals erstaunlich viel: so gibt sie mit einer faszinierenden genauigkeit die damaligen begegnungen und ereignisse wieder. gleichzeitig ist es auch ein buch über ein stück uns weitgehend unbekannte geschichte japans, abseits der clichées von kirschblüten und zen-gärten.

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