30.05.2026

monika zeiner: villa sternbald oder die unschärfe der jahre

nikolas kehrt nach vielen jahren der abwesenheit für ein wochenende zurück ins elternhaus, die villa sternbald. hier lebt seine familie, die in fünfter generation eine schul- und büromöbelfabrik besitzt. sebastian, sein bruder wird als nächster die firma übernehmen, nikolas bleibt der aussenseiter. aus verschiedenen gründen zieht sich sein aufenthalt bis zu mehreren monaten in die länge. auch trifft er auf seine frühere freundin katharina, die in ihm wieder verunsichernde gefühle auslöst. durch beobachtungen in diesem komplizierten familienbiotop und in gesprächen mit früheren freunden, beginnt er sich mit der geschichte der familie und ihrer firma zu beschäftigen und stösst dabei auf ereignisse in der jüngeren vergangenheit. er beginnt fragen zu stellen und in archiven nachzuforschen. dabei stösst er auf die dunkle firmengeschichte und die nsdap-mitgliedschaft seines grossvaters. innerhalb der familie liegt ein mantel des schweigens über dieser zeit. alle versuche nikolas darüber zu sprechen werden verunmöglicht.
aus der perspektive von nikolas führt der roman in zeitsprüngen zwischen aktuellen und retrospektiven kapiteln durch all die jahre. das buch beschäftigt sich mit einem thema, über das in vielen deutschen familien schweigen herrscht: die zeit des dritten reiches und der eigenen rollen im nationalsozialismus. auch wenn der roman sich manchmal etwas in details verlierend hinzieht, hilft der einen einzigartigen lesefluss erzeugende text zumindest eine gewisse spannung aufrecht zu erhalten. stark sind die differenziert beschriebenen charaktere der einzelnen familienmitglieder, die ein klares bild erzeugen. besonders schön sind die beschreibungen der erinnerungen nikolas’ an seine kindheit und der damaligen – oft erst später verstandenen -- sicht auf die dinge. das buch ist ein wichtiger beitrag zu dem thema des verschweigens dieser schwierigen zeit.

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