nikolas kehrt nach vielen jahren der
abwesenheit für ein wochenende zurück ins elternhaus, die villa
sternbald. hier lebt seine familie, die in fünfter generation eine
schul- und büromöbelfabrik besitzt. sebastian, sein bruder wird als
nächster die firma übernehmen, nikolas bleibt der aussenseiter. aus
verschiedenen gründen zieht sich sein aufenthalt bis zu mehreren
monaten in die länge. auch trifft er auf seine frühere freundin
katharina, die in ihm wieder verunsichernde gefühle auslöst. durch
beobachtungen in diesem komplizierten familienbiotop und in
gesprächen mit früheren freunden, beginnt er sich mit der
geschichte der familie und ihrer firma zu beschäftigen und stösst
dabei auf ereignisse in der jüngeren vergangenheit. er beginnt
fragen zu stellen und in archiven nachzuforschen. dabei stösst er
auf die dunkle firmengeschichte und die nsdap-mitgliedschaft seines
grossvaters. innerhalb der familie liegt ein mantel des schweigens
über dieser zeit. alle versuche nikolas darüber zu sprechen werden
verunmöglicht.
aus der perspektive von nikolas führt
der roman in zeitsprüngen zwischen aktuellen und retrospektiven
kapiteln durch all die jahre. das buch beschäftigt sich mit einem
thema, über das in vielen deutschen familien schweigen herrscht: die
zeit des dritten reiches und der eigenen rollen im
nationalsozialismus. auch wenn der roman sich manchmal etwas in
details verlierend hinzieht, hilft der einen einzigartigen lesefluss
erzeugende text zumindest eine gewisse spannung aufrecht zu erhalten.
stark sind die differenziert beschriebenen charaktere der einzelnen
familienmitglieder, die ein klares bild erzeugen. besonders schön
sind die beschreibungen der erinnerungen nikolas’ an seine
kindheit und der damaligen – oft erst später verstandenen -- sicht
auf die dinge. das buch ist ein wichtiger beitrag zu dem thema des
verschweigens dieser schwierigen zeit.
30.05.2026
monika zeiner: villa sternbald oder die unschärfe der jahre
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