10.05.2026

jiři weil: mendelsohn auf dem dach

während der deutschen besetzung prags wird das rudolfinum zum «haus der deutschen kunst»: unter den statuen auf dem dach ist auch jene von medelsohn-bartholdy. auf befehl des reichsprotektors heydrich muss das denkmal des jüdischen komponisten entfernt werden. der hausverwalter weiss jedoch nicht, welche der figuren die richtige ist. mit dieser wahren begebenheit beginnt der roman über die zeit der besetzung prags durch die deutsche wehrmacht. juden und jüdinnen werden systematisch verhaftet und abtransportiert, ihr eigentum eingezogen. in prag formiert sich im untergrund aber auch der widerstand gegen die besatzung und das attentat auf den verhassten heydrich hat grausame sühneaktionen der nazis zur folge. erste nachrichten von der landung der alliierten in der normandie lassen die leidende bevölkerung hoffen.
verschiedene wahre begebenheiten und einzelschicksale von menschen werden hier zur grundlage eines romans über diese dramatische zeit. beim lesen spürt man, dass der autor die geschichten der menschen, die opfer dieses systems werden, aus eigener erfahrung kennt. durch die eindringliche beschreibung der schreckensherrschaft der nazis gibt er einen tiefen blick in die struktur des totalitären systems, den er mit ironie und sarkasmus entlarvt. als gegenpol steht der widerstand der bevölkerung und die solidarität der menschen, dem dieses buch ebenso raum gibt. dieses unheimlich authentische und dichte werk geht unter die haut und lässt einen lange nachdenken.

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