16.07.2026

marek torčik: was die zeit nicht nimmt

marek, ein stiller, introvertierter junge, lebt mit seiner mutter und seiner grossmutter in beengten wohnverhältnissen. die mutter hält als arbeiterin in einer fabrik sich und die familie über wasser. daneben kümmert sie sich um ihren dem alkohol verfallenen, immer wieder gewalttätigen vater. auch ihren sohn bindet sie immer wieder in die betreuungsarbeit ein. in der schule ist marek, der sich aus mädchen nichts macht, ein aussenseiter und wird von seinen mitschülern geplagt, bis marián neu in die klasse kommt. jetzt richten sich die aggressionen gegen diesen romajungen. langsam freunden sich marek und marián an, verbringen viel zeit miteinander und kommen sich sehr nahe. mit dem gelasseneren und erfahrenen marián fühlt sich mareks leben zum ersten mal frei und gut an.
allein schon die beschreibung der prekären sozialen umstände lohnt das buch zu lesen. darin wird das bild einer verunsicherten und konservativen gesellschaft in der zeit nach dem fall des kommunismus berührend genau gezeichnet. die allgegenwärtigen vorstellungen von männlichkeit sind für die beiden jungen eine herausforderung. etliche details, vor allem die erlebte diskriminierung und brutale gewalt sind beim lesen schwer zu ertragen. mit der genauen beschreibung der personen, der landschaften und städte bildet der text ein überzeugendes zeugnis einer realität, von der man sich fragt, wie man sie hat überstehen können. der autor erzählt die geschichte aus der erinnerung im wechsel zwischen gegenwart und vergangenheit und reflektiert dabei in diesem autobiografischen roman sein eigenes verhalten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen