26.09.2026

kati naumann: wo wir kinder waren

vor dem ersten weltkrieg beginnt albert langbein mit der herstellung von puppen. aus den anfängen wird eine florierende spielzeugfabrik, die alle stürme der zeit übersteht. in der ddr wird sie verstaatlicht und nach dem mauerfall zwingt die wirtschaftliche situation die einstellung des betriebs. jan, iris und eva – die jüngste generation – räumt das alte, mittlerweile leerstehende wohnhaus der familie. jeden tag nehmen sie sich ein zimmer vor und finden gegenstände, die von den vergangen zeiten zeugen und sie an ihre gemeinsamen kindheitserlebnisse erinnern. bald wird klar, dass die grossmutter flora mit ihrer toleranten und pragmatischen haltung über viele jahre das zentrum und die seele des ganzen familienverbandes war. eine sich über fast ein jahrhundert hinziehende geschichte tut sich auf, die beinahe in einem erbenstreit endet.
das leben von vier generationen dieser fabrikantenfamilie, die mehrmals alles verloren hat, wird in diesem roman erzählt und zeugt damit von der deutschen industriegeschichte der 20. jahrhunderts. vertieft wie selten erfahren wir von der herausforderungen der planwirtschaft in der ddr, während die schwere zeit des nationalsozialismus im buch eher weniger gewicht hat. bildhaft beschreibt die autorin starke personen, die trotz aller schwierigkeiten an die fabrik, die selbständigkeit und die unabhängigkeit glauben. die komplexe handlung mit vielen personen bleibt angenehm übersichtlich und liest sich leicht und flüssig. schön sind die begegnungen der drei jungen leute, die sich in kindheitserinnerungen verlieren und sich den innerfamiliären konflikten entgegenstellen. das buch endet mit der perspektive auf einen neuanfang, was etwas hoffnung aufkommen lässt.

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