vor
dem ersten weltkrieg beginnt albert langbein mit der herstellung von
puppen. aus den anfängen wird eine florierende spielzeugfabrik, die
alle stürme der zeit übersteht. in
der ddr wird sie verstaatlicht und
nach dem mauerfall zwingt die
wirtschaftliche situation die einstellung des betriebs.
jan, iris und eva – die jüngste generation – räumt das alte,
mittlerweile leerstehende wohnhaus der familie. jeden tag nehmen sie
sich ein zimmer vor und finden gegenstände, die von den vergangen
zeiten zeugen und sie an ihre gemeinsamen kindheitserlebnisse
erinnern. bald wird klar, dass die grossmutter flora mit ihrer
toleranten und pragmatischen haltung über viele jahre das zentrum
und die seele des ganzen familienverbandes war. eine sich über fast
ein jahrhundert hinziehende geschichte tut sich auf, die beinahe in
einem erbenstreit endet.
das
leben von vier generationen dieser fabrikantenfamilie, die mehrmals
alles verloren hat, wird in diesem roman erzählt und zeugt damit von
der deutschen industriegeschichte der 20. jahrhunderts. vertieft wie
selten erfahren wir von der herausforderungen der planwirtschaft in
der ddr, während die schwere zeit des nationalsozialismus im
buch eher weniger gewicht hat.
bildhaft beschreibt die autorin starke personen, die trotz aller
schwierigkeiten an die fabrik, die selbständigkeit und die
unabhängigkeit glauben. die komplexe handlung mit vielen personen
bleibt angenehm übersichtlich und liest sich leicht und flüssig.
schön sind die begegnungen der drei jungen leute, die sich in
kindheitserinnerungen verlieren und sich den innerfamiliären
konflikten entgegenstellen. das buch endet mit der perspektive auf
einen neuanfang, was etwas hoffnung aufkommen lässt.
26.09.2026
kati naumann: wo wir kinder waren
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