18.10.2026

lars mytting: astrids vermächtnis

immer wieder wird über die hinterlassenschaft der hekne-schwestern geredet, die vor vier jahrhunderten als siamesische zwillinge in einem abgelegenen dorf in norwegen lebten. sie sollen ausserordentliche kräfte und visionen gehabt haben. ein von ihnen gewobener teppich soll die zukunft voraus sagen können. ihnen zu ehren werden später zwei glocken gegossen. astrid hekne, eine nachfahrin erlebt während des zweiten weltkrieges die besetzung durch die deutsche wehrmacht. die nazis, die in den nordischen sagen den ursprung ihres ariertums sehen, sind deshalb auf der suche nach diesem teppich. von den beiden gocken, deren trennung unglück verhiess, wurde eine vor vielen jahren bereits nach dresden gegeben. dafür fühlt sich der alte pfarrer schweigaard verantwortlich und schuldig. der besatzer ziel ist die zweite glocke nun auch dahin zu bringen. der opposition im dorf ist gross, astrid ist eine der starken widerstandskämpferinnen, die gemeinsam mit dem alten pfarrer im untergrund den kampf aufnimmt. wer ist im widerstand, wer kollaboriert mit der fremden macht? diese fragen treiben die menschen um. nach kriegsende kehrt langsam wieder das normale leben ins dorf zurück, aber die leute misstrauen einander noch lange.
ein grosser epischer roman mit viel kriegsrealität aber auch mystik, dessen anfang nicht leicht zu lesen ist. doch dann beginnt die geschichte fahrt aufzunehmen und hält eine einzigartige spannung. die beschreibung von armut und rückständigkeit, aber auch der gefährdeten traditionen lässt eine uns längst vergangene welt auferstehen. stark sind nicht nur die menschen und deren handeln gezeichnet, sondern auch die wechselnde stimmung während und nach der fremdherrschaft im dorf. kälte und schnee beherrschen die winter auf eine uns beinahe unbekannte weise. dieser wunderbare bericht über menschen, die unter den bedingungen der krieges ihr leben neu ordnen und sich positionieren müssen, lässt ahnen, wie schwierig es ist, im widerstand zu sein und sich für sein land zu wehren.

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