09.04.2026

silvio blatter: das blaue haus

ende des 19. jahrhunderts wird heinrich zinn geboren. er erlernt das schneiderhandwerk wie sein vater. dieser folgt jedoch längst mit einem kleinen zirkus unterwegs durch europa anderen interessen. als junger mann wandert heinrich nach amerika, auch ihn zieht es zeitweise ins artistenmilieu. beim ausbruch des ersten weltkrieges kehrt er in die schweiz zurück und wird zur armee eingezogen. nach dem krieg beginnt er als fabrikant schürzen zu produzieren, kommt dadurch zu einem kleinen vermögen und kann sich das blaue schleusenhaus an der reuss kaufen. hier lebt er mit seiner patchworkartigen familie. während des zweiten weltkrieges wird das blaue haus immer mehr zur heimat von geflüchteten artisten und künstlern. doch die fremdenpolizei nimmt den bei ihm untergekommenen waisen karel mit, um ihn auszuweisen. heinrich setzt sich mit aller kraft für den knaben ein, verliert aber diesen kampf gegen die behörden. heinrich ist der grossvater des ich-erzählers, der diese geschichte seiner tochter erzählt.
das buch berichtet auf eine leichte art vom leben von menschen, die der damaligen gesellschaftlichen norm nicht entsprechen, die unerschütterlich ihren menschlichen idealen folgen. dies alles vor dem hintergrund eines stücks schweizergeschichte während der weltkriege. die klare und direkte sprache mit vielen einfachen und kurzen sätzen erzeugt einen eigenen leserhythmus. ohne dramatik setzt der autor seinen vorfahren ein liebevolles denkmal.

 

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