10.06.2026

marco balzano: bambino

triest in den 1920er-jahren: als junge erfährt mattia, dass die frau seines vaters nicht seine mutter ist. das lässt ihn nicht ruhen, doch sein vater verweigert ihm die erklärung. er gerät in den kreis der damals erstarkenden schwarzhemden, die versprechen ihm zu helfen seine mutter zu finden. «bambino» wird er wegen seiner bartlosigkeit genannt, was ihn antreibt, seine stärke durch brutales handeln zu zeigen. er entwickelt sich zum stadtbekannten schläger und mörder, der bis zum ende des krieges ungestraft sein unwesen treibt. seine opportunistische haltung lässt ihn sich überall andienen, wo es gerade passt. erst spät beginnt er seine taten zu reflektieren und bereuen. als die machtverhältnisse endgültig wechseln, muss er sich unter fremder identität in den umliegenden bergen verstecken. heimweh treibt ihn zurück nach triest, wo er erkannt wird. slowenische partisanen nehmen ihn gefangen und bringen ihn weg. er endet, wie viele seiner früheren opfer in den tiefen gräben der umliegenden karstlandschaft.
die schilderung aus der ungewohnten perspektive des täters macht dieses buch ganz besonders. zeitweise kaum auszuhalten ist die streckenweise häufung von erschiessungen und folter. exemplarisch zeigt der text auf, wie ein junger, beeinflussbarer mensch manipuliert und zu taten verleitet werden kann, die er zunächst selbst kaum reflektiert. erst langsam kommen gefühle und fragen auf. die den hintergrund bildenden grossen politischen umwälzungen sind auch ohne detaillierte geschichtskenntnisse gut nachvollziehbar.

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